Spiritualität

Im Umgang mit dem Thema Spiritualität als vielschichtiges Konstrukt vollzieht sich ein Wandel. War Spiritualität früher in erster Linie an Institutionen des Glaubens gebunden, so suchen heute zunehmend mehr Menschen auch außerhalb der Kirchen und der verfassten Religionen eine geistliche Ausrichtung. Menschen suchen in den traditionellen und in den neuen Formen von Spiritualität Anschluss an etwas, das ihnen gerade auch in kritischen Lebenssituation Halt gibt.

Spiritualität kann für Krebserkrankte, für Zugehörige und auch für Behandler eine wichtige Ressource sein, um mit den durch Krankheit und Therapie belastenden Umständen besser zurechtzukommen. Sie schützt nicht notwendigerweise vor den Widrigkeiten des Lebens, aber hilft, das eigene Leben auch mit seinen Krankheiten, Verwundungen und Begrenzungen anzunehmen und trotzdem auch das Besondere im Leben weiterhin wahrzunehmen. Eine authentische Spiritualität nimmt auch und gerade die Brüchigkeit des Lebens in den Blick und blendet sie nicht aus.

In dieser Hinsicht ist Spiritualität auch in der Onkologie ein wichtiges Thema, das zu Recht zunehmend in den Blick gerät. Nicht als eine weitere Anwendung oder Verordnung, sondern als eine beachtenswerte Dimension, die hilft, mit der Erkrankung in allen Stadien – auch mit den lebensbedrohlichen Aspekten – umgehen und leben zu können. Insofern möchte die Arbeitsgruppe Spiritualität für das Thema sensibilisieren, welches als eine wichtige Ressource im Zentrum der Krankheitsverarbeitung und Sinnfindung anzusiedeln ist.

Die AG PRiO der Deutschen Krebsgesellschaft befasst sich in der interdisziplinären Arbeitsgruppe „Spiritualität“ wissenschaftlich mit

  • den verschiedenen Definitionen und Aspekten von Spiritualität
  • der Bedeutung von Spiritualität im Kontext von Krebserkrankung und Behandlung
  • der Beachtung und dem Nutzen von Spiritualität in seiner Vielschichtigkeit für die Krankheitsverarbeitung, auch in säkularer Gesellschaft
  • der Wahrnehmung, Gewichtung und Wirkung von Spiritualität in den Behandlungsabläufen
  • den spirituellen Einstellungen der Behandler

Für Ihre Aufgaben trifft sich die Arbeitsgruppe „Spiritualität“ zweimal jährlich zu Austausch und Planung. Sie ist an Kontakt mit möglichst vielen DKG-Mitgliedern interessiert und bereitet eine Mitgliederbefragung zum Thema vor. Die Arbeitsgruppe möchte ihre Ergebnisse allen DKG-Mitgliedern nutzbar machen.

Publikationen

Spiritualität, Religiosität und Krankheitsumgang

  • Büssing A (Hrsg.) Spiritual Needs in Research and Practice. The Spiritual Needs Questionnaire as a Global Resource for Health and Social Care. Pelgrave (2021)
  • Büssing A, Surzykiewicz J, Zimowski Z (Hrsg.): Dem Gutes tun, der leidet. Spiritualität in der Behandlung und Begleitung kranker Menschen – Interdisziplinäre Perspektiven. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg (2015)
  • Büssing A, Kohls N (Hrsg.): Spiritualität transdisziplinär. Transdisziplinäre wissenschaftliche Grundlagen im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit. Springer-Verlag, Stuttgart (2011)
  • Büntzel J, O Micke: Patienten auf den Weg bringen – Ansatzpunkte für Spiritual Care in der Onkologie. Spiritual Care 2020; 9(1): 69-74

 

Spiritualität und COVID-19

  • Büntzel J, Walter S, Hellmund H, Büntzel J, Klein M, Hübner J, Vitek P, Koscielny S, Sesterhenn A, Büssing A. Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Versorgung von HNO-Tumoren – die Patientenperspektive. Laryngo-Rhino-Otologie 2021;100(2):104-110; DOI 10.1055/a-1327-4234
  • Büssing A, Recchia DR, Hübner J, Walter S, Büntzel J, Büntzel J: Tumor patients´ fears and worries and perceived changes of specific attitudes, perceptions and behaviors due to the COVID-19 pandemic are still relevant. Journal of Cancer Research and Clinical Oncology 2021; https://link.springer.com/article/10.1007/s00432-021-03573-y
  • Büssing A, Recchia DR, Hein R, Dienberg T: Perceived changes of specific attitudes, perceptions and behaviors during the Corona pandemic and their relation to wellbeing. Health and Quality of Life Outcomes 2020; 18:374. https://doi.org/10.1186/s12955-020-01623-6
  • Büssing A, Hübner J, Walter S, Gießler W, Büntzel J: Tumor patients´ perceived changes of specific attitudes, perceptions and behaviors due to the Corona pandemic and its relation to reduced wellbeing. Frontiers in Psychiatry 2020; 11:574314. doi: 10.3389/fpsyt.2020.574314

Ansprechpartner

Prof. Dr. Jens Büntzel

Foto: Südharz-Klinikum

Chefarzt der Klinik für HNO-Erkrankungen, Kopf-Hals-Chirurgie Interdisziplinäre Palliativstation Südharz Klinikum Nordhausen gGmbH

Tel.: 036 31-41-22 63
E-Mail: jens.buentzel@shk-ndh.de